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Southcoast Track Drucken
Thursday, 28. February 2008

1. Tag - Mittwoch, 20.02.2008
Vollgepackt warten wir wie abgemacht vor dem Backpackers. Wir werden nicht abgeholt. Nach einem kurzen Anruf ist klar: Wegen schlechtem Wetter wurde der 9-Uhr-Flug auf 11 Uhr verschoben. Ist logisch. Hat auch deftig "geschifft" am Morgen frueh, nachdem es tagelang schoenes und ungewoehnlich warmes Wetter war hier in Hobart.
Nun reicht es also noch fuer einen Kaffee in der Fussgaengerzone.
Um 11 Uhr starten wir dann in einem 8-Plaetzer Richtung Melaleuka [melalugga]. Wir landen auf einer weissen Kiespiste. Die Reiffen platzen nicht ;-) Wir essen noch einen Apfel. Dann gehts los. Wir schnallen unsere Rucksaecke an. 21kg und 25kg.

Inhalt
Zelt, Schlafsaecke, Maetteli
Gaskocher, Gas, Pfannen, Geschirr
Food fuer gut 10 Tage: meist Gefriergetrocknetes (Quicklunch)
Milchpulver, Ovi, Proteinshakepulver, Suppen, Bouillonwuerfel, Gewuerze, Zucker, alles was lange brennt: Haferflocken, dunkles Knaeckebrot, Energiefarmer, extrem dunkles schweres Brot
Nutella, Tee, Schoggi, Gummibaerli
Apotheke, Stirnlampen, Taschenlampen, Sackmesser
Waescheleine, 2 kleine Badetuecher
Zahnbuerste, Deo, Bioseife fuer Geschirr, Koerper, Haare, Rasur
Kleider (synthetisches, das auch warm gibt, wenns nass ist), Gaiters (Gamaschen), Wanderschuhe, Tevas (Sandalen)
Regenhuelle fuer Rucksack
Wasserfilter
Satelitentelefon
und vieles mehr...

Dann machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel: Der 12km entfernte Strand. Ist weiter weg als wir dachten.
Wir brauchen dafuer ca. 5 bis 6 Stunden. Meistens laufen wir auf Stegen uebers Moor. Wir haben praktisch kein Schlamm. Es ist ein relativ easy Weg, auf und ab, aber gegen den Schluss wirds anstrengend, weil wir muede sind und einfach nicht ankommen. Ganz am Schluss gehts dann noch 2km dem Beach entlang. Unser Nachlager: Ein mit Moos umsaeumter Platz direkt am Beach. Wir treffen hier noch andere an. Eine 3-Mann- und eine 2-Mann-Gruppe und ein Paerchen. Wir holen Wasser von einem Baechlein, das ins Meer fliesst. Das Wasser ist gelblich, aber es schmeckt gut. Wir filtern. Ich gehe noch baden. Jacqueline kocht. Nachher schlafen.


2. Tag - Donnerstag, 21.02.2008
10 Stunden Marsch: Schlamm, Moor, Streng. Ich, Jacqueline: NERVEN!
Wir machen drei Flussueberquerungen ohne Bruecke! Nur mit Seil. Ca. 1/4 der Strecke besteht aus Stegen. Viele Stege, die ueber das Moor gehen, liegen Knoecheltief unter Wasser, resp. Schlamm. Wir waten durch. Ein grosser Teil der Wege besteht aus Schlammpfuetzen bis zur Hueft. Wir kommen kaum vorwaerts. Das Paerchen haengen wir ab. Wir treffen sie nie wieder an, das bedeutet sie haben aufgegeben. Ein topfiter 60-jaehriger Irlaender ueberholt uns. Wir koennens kaum glauben.
Der Uebernachtungsplatz ist schoen und liegt im Wald. Wir kommen erst um 19.30 Uhr an. Alles tut weh.

3. Tag - Freitag, 22.02.2008
Wir stehen auf. Alles tut weh, immernoch. Es ist immernoch schoenes Wetter. Heute wagen wir uns an die Ironbound Range, den hoechsten Berg unserer Wanderung. Wir brauchen sechs Stunden fuer den Aufstieg. Kurz vor der Spitze kommt innert kuerzester Zeit schlechtes Wetter auf. Es ist keine lokale Schauer in den Bergen, sondern eine gewaltige Gewitterfront. Wir finden Schutz in einem dichten Walt 30min nach dem Gipfel. Der Platz ist schoen. Unser Zelt steht auf Moos in einer 7x7m-kleinen Lichtung im Dickicht. Leider haben wir nicht viel von der Romantik und dieser grandios schoenen Wildnis. Es schifft in Stroemen und stuermt. Wir schlafen kaum. Das Zelt liegt schraeg und uneben. Es stuermt laut. Wir beten.

4. Tag - Samstag, 23.02.2008
07.30 Uhr, es ist feucht. Auch der Zeltboden. Wir packen zusammen und wollen den Abstieg wagen. Wir schaffen es nicht. Es stuermt zu stark. Ich schaetze ca. 9-10Bf - ca. 100km/h. Es "straetzt" waagrecht. Es luftet uns vom Steg. Auf offenem Wege schaffen wir es nicht normal zu gehen. Wir muessten auf allen Vieren kriechen. Der Abstieg ist viel zu gefaehrlich. Wir kaempfen uns zurueck zu unserem geschuetzten Ort und wollen abwarten bis es besser wird. Im Dickicht warten wir unter einer Blache einige Minuten. Wir sind durchnaesst und frieren. Es koennte noch lange so weitergehen. Frieren und Naesse ist nicht gut. Wir stellen das Zelt wieder auf und beten. Schlafsack, Tee, und Bettflasche (Heisswasser in Petflasche mit Socken drueber) halten uns warm. Wir muessen uns warm halten. Das Wetter will nicht besser werden. Wir muessen nochmals eine Nacht hier verbringen. Wir wissen, es ist gefaehrlich hier, aber der Abstieg waere weit mehr gefaehrlich gewesen. Zum Sturm kommt noch Hagel dazu. Langsam wirds mulmig. Eigentlich wollen wir nichts wie runter vom Berg. Aber wir koennen nichts tun ausser beten und Tee trinken. Es ist ein dummes Gefuehl nichts tun zu koennen. Mir kommen Psalme in den Sinn wie: "Du mein Fels, meine Burg, mein Retter, du mein Gott, meine sichere Zuflucht, mein Beschützer, mein starker Helfer, meine Festung auf steiler Höhe!" Psalm 18,3.
Die folgende Nacht wird zum Albtraum. Wir spueren keine Besserung. Wir beten fuer besseres Wetter und entschliessen uns, zurueckzugehen am naechsten Morgen. Wir muessen runter von diesem Berg. Wir rechnen: Wenn wir weitergehen wuerden, haetten wir noch ca. fuenf Tage vor uns. In drei koennten wir es zurueckschaffen. Da unser Vorrat an Nerven gaenzlich erschoepft ist, bleibt uns nur die Rueckkehr. Ausserdem haben wir unseren Reserve-Essvorrat fuer zwei Tage aufgebraucht und haetten beim Weitergehen keine Reserve mehr, wenn nochmals was dazwischen kaeme. Die Kleider und das Zelt sind auch nass. Der Fall ist klar.


5. Tag - Sonntag, 24.02.2008
05.20 Uhr, es tobt immernoch da draussen. 06.00 Uhr, Gott hat unser Gebet erhoert. Es stuermt nicht mehr ganz so stark und der Regen und Hagel laesst nach. Auf dem Moos vor unserem Zelt liegt eine 3cm dicke Hagelschicht. Es ist kalt. Wir brechen auf und sind vier Stunden spaeter unten.
Wir haben ein solches Tempo drauf, dass wir noch ein paar km mehr schaffen. Die Fluesse, die wir ueberqueren muessen, haen jetzt viel mehr Wasser, zT Huefttief. Die Rucksackschnallen muessen geloest werden, aus Sicherheit. Wir finden ein schoenes geschuetztes Plaetzchen an einem Fluss. Es hat aufgehoert zu Regnen. Wir koennen Vieles trocknen, unter anderem das Zelt. Wir sind muede und froh. Wir wollen so schnell als moeglich nach Hause bzw. nach Hobart. Aber es sind trotzdem noch zwei Tagesmaersche bis dahin.


6. Tag - Montag, 25.02.2008
Dieser Tag ist hart. Es schifft wieder einmal und es windet wieder, aber dieses Mal auf die "normale" Art. Einfach rauhes Wetter. Tasmanien und speziell die Suedwestkueste ist bekannt fuer rauhes Wetter und starke Winde. Tassie liegt in den "Roaring Fourties", den stuermischen 40er Graden. Waehrend ca. sechs Stunden waten und kaempfen wir bei Regen und Wind durch Sumpf und Schlamm. 14km weit. Muede kommen wir bei unserem ersten und letzten Campplatz an. Hier treffen wir auf 4 Jungs, die gerade begonnen haben mit dem Walk. Sie hoeren sich unsere Geschichte an und staunen. Sie erzaehlen uns, dass im Fernsehen eine Warnung an Bushwalker rausgegeben wurde, man solle sich am Wochenende unbedingt von Bergen fernhalten. Zum Zeitpunkt dieser Meldung waren wir natuerlich schon unterwegs.
Bis zu diesem Zeitpunkt habem wir 30 Maenner und eine Frau auf diesem Track angetroffen. Das Paerchen (die einzige Frau) hat am zweiten Tag aufgegeben. Die Statistik spricht fuer sich.

7. Tag - Dienstag, 26.02.2008
Frueh aufstehen und zuruecklaufen nach Melaleuka. Wieder zuerst am Strand entlang. Rechts von uns, das wunerschoene wilde Meer. Wir auf dem breiten schoenen Sandstrand. Ueber uns drehen zwei weisse Papageie ihre Runden und verschwinden wieder im dicken, gruenen Busch rechts von uns. Das Land, welches wir in den letzten sechs Tagen gesehen haben ist wunderschoen. Wie im Maerchenland. Endlose Moorlandschaften. Mooslandschaften in allen Variationen. Dichter Dschungel. Schoener, viel schoener als in der Masoalahalle in Zuerich. Drei Meter hohes Farn, Dickicht. Manchmal ist der Weg durch den Urwald so schmal, dass zwei Fuesse nebeneinander nicht Platz finden. Aber vielfach hatten wir keine Zeit, oder waren schlicht zu muede uns umzusehen und die unglaubliche noch nie gesehene Schoenheit zu bewundern. Aus demselben Grund sind die schoensten Bilder auch nicht in unserem Fotoapparat, sondern einfach in unseren Koepfen.
Wir sind schnell, brauchen knapp vier Stunden inklusiv Pause. Der Weg zurueck kommt uns vor wie ein Sonntagnachmittagspaziergang. Aber wir sind muede, alles tut weh: Beiden drueckt der Ruecken, das rechte Knie und die linke Achillessehne. An die gut 20kg auf dem Ruecken haben wir uns noch immer nicht gewoehnen koennen.
Am Mittag kommen wir nach 7 Tagen und rund 70km hartem Wandern in der Wildnis Tasmaniens beim Airstrip in Melaleuka an. Wir sind froh: Gott besorgt uns zwei Plaetze, zwar in verschiedenen Flugis, aber dafuer noch heute.

Fazit:

  • Wir sind nie alleine, Gott haelt seine Hand ueber uns.
  • Die tasmanische Wildnis ist extrem schoen, wild, verlassen und anstrengend.
  • Normales Essen schmeckt einfach gut.
  • Ein weiches Naescht und eine warme Dusche sind etwas Herrliches.

 

 

 

 

 
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